• Bettina Nuschei gleitet gleichsam fließend aus einer romantischen Abstraktion heraus, nicht dramatisch, eher jubilierend, hin zur darstellung des menschlichen Körpers. in diesem hinübergleiten verliert sie nichts von ihrer bewegten Gestik, nichts von ihrem Ordnungssinn für die Gewichtung von Werten. und selbst wenn sie heute die Anatomien in ihrem zerbrechlichen Gleichgewicht vorzeichnet, ist bei ihr der Körper vielmehr eine Skizze denn eine Darstellung, vielmehr Leben und Impuls durch eine langwährende und hingebungsvolle Berührung, denn ein gewissenhaftes Abbild.

• Kopflos, also blicklos werden diese Körperfragmente, von denen oft nicht mehr sichtbar wird als die bewegte Masse des fleisches, von der Materie absorbiert. eine aufgewühlte Materie, bald taub, bald friedlich, in der sich die Spuren der Gegenwart bald verlieren.

• Fast immer in ausdehnung begriffen, verletzlich und freiwillig unvollendet, formlos und ungebunden, zeigen die Personen dieses sensuellen und fragmentarischen Freskos das Bild des menschen in seiner ungeordnetheit und in seiner Einsamkeit, in anderen Worten: in der Problematik des Seins.

• Sicher in der Wahl ihrer Mittel, gepaart mit einem gewissen gleichmaß der Handführung und einer kontinuierlichen Aggressivität, setzt Bettina Nuschei ihre innere Energie auf natürliche weise frei, um ihr Humanitätsideal gleichsam in der Schwerelosigkeit darzustellen. Nach und nach, durch die Interaktion von oppositionen und nüchterner schematisierung der Formen, werden ihre eigenwilligen Darstellungen mit Leben erfüllt, ihre Mysterien jedoch nicht offenbarend.

Gerard Xuriguera, Paris, im Juni 1995